Alle haben es gelesen: der Ölpreis hat am letzten Donnerstag (03. Januar) die 100-Dollar-Marke pro Barrel (159 Liter) erreicht. Und alle fragen sich zu Recht, ob man das Auto weiter wie gewohnt nutzen oder ob man den Öltank im neuen Jahr wieder voll auffüllen kann. In der Presse mangelt es auch nicht an Prognosen, die diesen berechtigten Zweifeln neue Nahrung zuführen. Und durch die vielen Zahlen blickt auch keiner mehr durch.
Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) droht in den kommenden zehn Jahren eine Verdreifachung des Benzinpreises. So könnte der Liter Super dann sogar vier Euro kosten. In den ersten Januartagen stieg der Benzinpreis nach Angaben des Hamburger Fachdienstes EID auf 1,40 Euro für den Liter Benzin. Das sind 4 Cent mehr als im Dezember. Diesel verteuerte sich um 2 Cent auf 1,30 Euro. Das DIW schließt eine Verdoppelung des Ölpreises auf 200 Dollar bis zum Jahr 2020 nicht völlig aus.
Der Anstieg des Ölpreises wird auch für die Mieter von Wohnungen und Häusern gravierende Auswirkungen haben. Nach Schätzungen des Deutschen Mieterbunds ist mit einem Anstieg der Heiz- und Warmwasserkosten sowohl bei Öl- als auch bei Gasheizungen um 75 bis 80 Prozent zu rechnen.
Als erstes wird nach den Schuldigen gesucht: Spekulanten, schlechte Nachrichten aus Krisenregionen, der Winter und die steigende Nachfrage. Die Gründe sind sofort ausgemacht und werden schnell mit der falschen Hoffnung verbunden, der Ölpreis würde bald sinken, sobald die kalte Jahreszeit einmal vorbei ist, die Anschläge auf die Ölfelder in Nigeria aufhören … und die Spekulanten für einige Zeit Urlaub nehmen.
Entscheidend aber für den immer höher werdenden Ölpreis ist hauptsächlich die Endlichkeit des Erdöls. Die Internationale Energieagentur IEA prognostiziert, dass die Ölreserven wegen der rasant steigenden Nachfrage in den Schwellenländern bereits im Jahr 2012 zur Hälfte verbraucht sein werden. Die dann erreichte jährliche Fördermenge ließe sich etwa 15 Jahre halten, danach wird sie zurückgehen.
Diese Szenarien können eintreten, müssen aber nicht. Das magische Spiel mit den Zahlen für den Ölpreis in zehn oder fünfzehn Jahren ändert kaum etwas an der Notwendigkeit, eine intensivierte energiepolitische Debatte zu führen. Die Verkehrs- und Energiepolitik müssen sich schon heute auf die prognostizierte Knappheit und die steigenden Energiepreise einstellen. Ohne eine „Weg-vom-Öl-Strategie“ machen sich die Volkswirtschaften zu abhängig von möglichen Lieferunterbrechungen und Preissteigerungen.
Auch ein Umdenken im Mobilitätsverhalten und Energieverbrauch jedes Einzelnen ist hier vonnöten. Die Reduzierung des energieintensiven Individualverkehrs auf den Straßen wäre hier eine mögliche Lösung – natürlich nicht die einzige. Der Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel – die von Ländern und Städten ausgegebene Patentlösung – ist zwar eine die Umwelt schonende Alternative, der Geldbeutel wird dadurch aber nicht wesentlich entlastet. Warum soll ich mit der Bahn täglich zur Arbeit fahren, wenn ich für das gleiche Geld im Monat viel flexibler und angenehmer mit dem eigenen Fahrzeug zum Ziel komme? Eine Frage, die sich viele Berufspendler heutzutage zu Recht stellen. Das Umweltargument reicht hier leider nicht aus, um das Auto stehen zu lassen. Steigende Bahn- und Busticketpreise machen uns die Entscheidung auch nicht leichter. Noch weniger die Erinnerungen an den letzten Lokführerstreik.
Aus Nordrhein-Westfallen wird ein Anstieg der Zahl der Berufspendler gemeldet. Nach Berechnungen des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund ist deren Zahl in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 70 Prozent auf zwei Millionen Menschen gestiegen. Der Bürgerservice Pendlernetz NRW zeigt seit Jahren eine umweltschonende und insbesondere kostengünstigere Alternative zum öffentlichen Verkehrsnetz auf. Und das Online-Portal www.pendlernetz.de deckt das gesamte Bundesgebiet. Das Prinzip ist simpel, der Service kostenlos: Die freien Plätze im Auto auf der Internetplattform kostenlos anbieten oder selbst nach solchen suchen. Die Kostenersparnis von mehr als 50 Prozent ist bereits ab einem Mitfahrer garantiert. Der positive Nebeneffekt für die Umwelt auch.